Fleißarbeit für die lieben Kleinen

Es kommt in Mode, Laien in die professionelle Forschung einzubinden. So lässt man z.B. Hobby-Astronomen die Tausenden von Aufnahmen durchforsten, die vom Weltraumteleskop Hubble geliefert werden und die dort gefundenen Gebilde kategorisieren und katalogisieren. Auf Freitag.de ist ein Artikel dazu erschienen, den ich kommentiert habe. Meinen Kommentar möchte ich hier für die kleine Gemeinde der Artefakten-Leser dokumentieren:

Das Durchforsten und Katalogisieren von Fotos hat nichts mit Citicen Science und auch nichts mit der Korrespondenz eines Charles Darvin gemein, sondern allenfalls mit Ausbeutung. Dass man die Naivität von fleißigen Laien ausnutzt um Geld zu sparen das man für wenig wichtige Forschungsprojekte von staatlicher Seite nicht bekommt, ist doch nicht lobenswert sondern sollte scharf kritisiert werden.

Die so beschäftigten Laien sind reine Lakaien, die das ausführen, was der leitende Forscher ihnen vorgibt. Sie entwickeln keine eigenen Hypothesen, sie gehen keinen ungewöhnlichen Ideen nach, sie machen einfach nur das, was jeder Großcomputer auch könnte – wenn man sich ihn nur leisten könnte. Hier wird, so könnte man es positiv formulieren – nicht der Mensch durch den billigeren Computer ersetzt, sondern umgekehrt der teure Computer durch den kostenlosen Enthusiasten.

Zweierlei passiert auf diese Weise:
1. Dem Laie wird die Illusion gegeben dass er wirklich an der Forschung teilhätte, so schluckt er als Steuerzahler natürlich die Ausgaben für die Forschung besser, ohne sich zu fragen, ob er selbst etwas davon hat – er glaubt ja, er sei sogar ein Teil davon. Er verfolgt nicht mehr kritisch, ob die Ausgaben wirklich angemessen sind und ob die Forderungen der Wissenschaft gerechtfertigt sind, sondern unterstützt sie kritiklos.
2. Kreativität für echte Citicen Science wird gebunden. Denn die ist möglich, auf vielen Gebieten, und sie wird durch ernst gemeinte Open Science natürlich unterstützt. Wenn Fachliteratur und Beobachtungsdaten wirklich frei verfügbar sind, dann können Freizeitforscher sehr schnell tatsächlich neue Hypothesen bilden und prüfen. Davor hat der etablierte Wissenschaftsbetrieb natürlich Angst – und stellt die naiven Kleinen mit Fleißarbeiten ruhig.

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Philosophie des Erotischen III (Schluss)

Ich hatte gesagt, dass kaum jemand im erotischen Spiel so erscheinen möchte wie sie oder er im unerotischen Alltag erscheint. In der Erotik wollen wir Andere sein, ja, die Erotik fordert sogar von uns, dass wir unter ihrem Regiment zu Anderen, zu Fremden werden. Was wir haben und was wir gut kennen, das begehren wir nicht mehr, denn das Begehren und das Besitzen schließen sich aus. Nun können wir natürlich sagen, dass in unserer modernen Welt kein Mensch ein Recht auf den Besitz eines Anderen hat. Aber damit vertuschen wir das Problem nur, denn es geht nicht um den Besitz eines anderen Menschen sondern um den Besitz einer erotischen Erfahrung. Stellen wir uns zwei Menschen vor, die ihr erotisches Spiel immer auf die gleiche Weise spielen, dann wird schnell klar, dass die Begierde bald sterben muss, auch wenn der eigentliche Sexualakt noch funktioniert, wenn wir den die Funktion dieses Aktes darin sehen, den Sexualtrieb zu befriedigen. Aber wir hatten ja schon gesagt, dass das Durchführen des Sexualaktes nichts mit Erotik zu tun hat. Erotik ist die Kunst der Begierde und zu dieser Kunst gehört, ein Begehren überhaupt zu erwecken also etwas Begehrenswertes anzudeuten, zu verheißen und es gleichzeitig zu verbergen. Wer das Begehrenswerte schon in- und auswendig kennt, bei dem wird keine Begierde geweckt. Weiterlesen

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Urban Legends

Dieses Blog heißt Arte-Fakten und hier wollte ich mich eigentlich eben mit konstruierten Fakten, der Welt als Konstruktion beschäftigen. Ich bin ein bisschen davon abgekommen, aber das Wochenende gab mir wiedermal Gelegenheit, mich darauf zu besinnen. Früher schrieb ich ja mal bei ScienceBlogs und aus dieser Zeit habe ich noch in den Timelines von Facebook und Twitter ein paar Scienceblogger, u.a. Christoph Larssen. Dieser Blogger machte mich gestern mit der Überschrift “Kinder sind wertlos” neugierig. Ich las seinen Artikel und war aus verschiedenen Gründen verwundert über Fehler, Ungereimtheiten und Unklarheiten, was ich ihm in zwei Kommentaren (muss ich erwähnen dass die spurlos verschwunden sind?) mitteilte. Weiterlesen

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Philosophie des Erotischen II

Die erotische Begierde ist auf das sinnliche Erleben des anderen Menschen gerichtet, auf das Riechen und Schmecken seiner Haut, auf das Erblicken und Ergreifen seiner intimen, im Alltag verborgenen Körperzonen, auf das Hören seines Atems, der sonst, durch Alltagsgeräusche oder zu große Ferne, unhörbar ist. Erotik ist die Kunst, dieses Erleben allmählich steigern zu können, weil Nähe gewonnen wird, weil die Sinne sich schärfen während die Umgebung zurücksinkt, und weil die Kraft des Begehrten selbst stärker wird, weil Gerüche intensiver werden, Haut feuchter wird, die Formen der Körper selbst fester und kräftiger werden, weil der Atem intensiver und heißer wird. Weiterlesen

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Eine Philosophie des Erotischen I

Seit zweieinhalb Jahrtausenden fristet die Erotik im abendländischen Denken, in der Kultur Europas, ein Schattendasein. Alles begann damit, dass Platon, der griechische Denker von dem her wir unsere ganze Philosophietradition bestimmen und entwickeln, auf die Idee kam, die erotische Begierde müsse irgendwie auf eine höhere Ebene gebracht werden, sodass sie dann idealerweise in einer theoretischen, kontemplativen Schau des Schönen schlechthin bestehen würde. Von da an wurde der Mensch von der Philosophie nicht mehr als Wesen mit Begierden verstanden, sondern allenfalls als arbeitendes, herstellendes oder handelndes Wesen, im Idealfall allerdings als theoretisierendes, als nur die Welt betrachtendes, unbewegliches und unbewegtes Wesen. Auch wenn erst im Verlauf dieser kleinen Serie überhaupt ein wenig Licht in die Frage gebracht werden soll, was Erotik eigentlich sei, so ist wohl jedem vorab schon klar, dass sie mit theoretischer Weltbetrachtung und Bewegungslosigkeit nur wenig zu tun haben kann. So kann man sagen – bei aller Verehrung für die Väter unserer Philosophie – dass mit den Alten Griechen ein Menschenbild die Oberhand gewann, das sicherlich mit vielem zu tun hat, aber nichts mit Ekstase, Begehren, Erotik. Weiterlesen

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In Deutschland gemacht

Jedes IKEA-Regal, das in irgendeiner deutschen Wohnung steht, ist im gewissen Sinne “Made in Germany” – denn das entscheidende, das, was aus Brettern ein Regal macht, ist in Deutschland, sogar in eben dieser Wohnung passiert. Trotzdem verkauft das Schwedische Möbelhaus die Bretter mit Montageanleitung natürlich nicht unter dem marketing-mächtigen Label, denn das, was im Laden liegt, wurde zumeist weit weg von Deutschland erzeugt. Weiterlesen

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Alle wollen Klimawandel

Egal, ob man das Radio einschaltet oder die Freunde fragt, alle freuen sich über den wunderbaren milden Herbst. Man genießt die Sonne und die wunderbaren Herbstfarben, sitzt – wenn auch in Decken gehüllt – vor den Cafés und schleckt noch ein letztes Eis oder einen Capuccino. Niemand sorgt sich um den Klimawandel, und wer in so einem Moment von der globalen Erwärmung spricht, gilt als Spielverderber.  Weiterlesen

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Wahl-O-Mat oder “Politische Landschaft”?

Auf Telepolis wurde neulich mein Vortrag zur OpenMind11 veröffentlicht. Da die Diskussion auf den Heise-Foren etwas unübersichtlich ist wurde ich gefragt, ob ich hier im überschaubaren kleinen KulturBlogs-Kreise eine zusätzliche Möglichkeit zur Diskussion einrichten könnte. Das will ich hiermit gern tun.

Im Wesentlichen ging es mir bei dem Vortrag ja darum, dem Prinzip, die Wahlentscheidung auf ein logisches Kalkül und auf Faktenanalyse zu stützen (Wahl-O-Mat-Prinzip) ein auf Vertrauen und Erfahrung basierendes flexibles Delegationsprinzip (Prinzip der politischen Landschaft) entgegenzusetzen. Details können ja bei Telepolis nachgelesen werden. Hier nun also Ring frei für eine kontroverse und sachliche Diskussion in kleiner Runde.

 

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Veranstaltungshinweis: Open Mind 11

Am Wochenende findet in Kassel die openmind 11 statt, veranstaltet von der Piratenpartei, aber offen für alle Interessierten. Ich freue mich, dass ich sowohl am Samstag Abend bei der Podiumsdiskussion “Autonomie durch Technologie” mitdiskutieren kann als auch am Sonntagmorgen einen Vortrag zum Thema “Ist der Wahl-O-Mat die Zukunft der Demokratie” halten werde und bin gespannt auf die Diskussionen.

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Respekt

Respekt ist ein Phänomen der Grenzziehung. Genauer gesagt, es behauptet, dass der andere eine Grenze zieht, die man nicht überschreiten sollte, dass er ein Gebiet um sich definiert hat, in das man nicht eindringen sollte. “Das muss man respektieren!” sagt man oft und meint damit so etwas wie eine Landesgrenze, die man zu respektieren hätte, oder eine Vorschrift, ein Stop-Schild usw.

Respekt wird aber überhaupt nur notwendig, weil der, der dazu aufgefordert wird, etwas zu respektieren, gerade im Begriff ist, eine Grenze zu überschreiten. Nun sind diese Grenzen ja nicht sichtbar, und wenn sie erkennbar sind, dann ist unklar, ob sie überhaupt legitim sind. Wo Respekt gefordert wird, da wird eine Behauptung aufgestellt, die auch fragwürdig sein kann.

Oft ist die Respekt-Forderung eine Dreiecks-Geschichte: Respekt fordert oft einer von einem Andren für einen Dritten: Der Bruder sagt zur Schwester: “Du musst respektieren dass der Vater nicht über seine Krankheit reden will.” Die Respekt-Forderung wird dann zum Totschlag-Argument.

Oder ich fordere den Respekt vor der Entscheidung eines Anderen von mir selbst: Dann muss ich mich mit dieser Entscheidung nicht auseinandersetzen.

Respekt ist also eine sehr fragwürdige Angelegenheit. Wenn die Frage gestellt wird, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen, dann stellt sich natürlich auch die Frage nach dem Respekt vor Institutionen, Gewohnheiten, Moralvorstellungen der Gesellschaft. Respekt vor dem Staat, den Behörden.

Veränderungen beginnen immer mit Respektlosigkeiten. Ich denke wir haben nicht zu wenig, sondern zu viel Respekt.

Danke an Angelika Dorsch für die Frage.

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