Atomkraft. Ja, bitte.

In Japan hat eine unvorstellbare Naturkatastrophe stattgefunden, die wahrscheilich mehr als zehntausend Todesopfer gefordert hat. Ein Erdbeben, das Energien freigesetzt hat, die die Fähigkeiten der Menschen als lächerlich erscheinen lassen, hat Meisterwerke der Ingenieurkunst zerstört, eine Flutwelle hat Kulturlandschaften hinweggespült. Aber wenn man in Deutschland Nachrichten schaut, bekommt man den Eindruck, es gebe vor allem zerstörte Kernreaktoren, und die Katastrophe sei in erster Linie ein Super-GAU in japanischen Kernkraftwerken. Während die Japaner unter den Folgen blinder Naturgewalten leiden, tun wir Europäer so, als hätte eine Technologie versagt.

Nichts ist falscher als das. Was auch immer in den nächsten Tagen in den Atomanlagen Japans passiert: Vor allem zeigt sich, wie gut diese auf den größten anzunehmenden Unfall vorbereitet waren, und welche Meisterleistung die Techniker dort zum Schutz der Menschen vollbringen. Die Sicherheitssysteme haben den Naturkräften standgehalten, die Bevölkerung konnte evakuiert werden, bisher ist kaum Radioaktivität freigesetzt worden. Selbst wenn die Situation sich weiter verschlimmert, werden die Folgen der Zerstörung des Kraftwerkes, gemessen an den Folgen der Naturkatastrophe, lächerlich gering sein.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen durch die globale Erwärmung größer wird, durch den Anstieg des Meeresspiegels werden die Folgen dieser Überschwemmungen ebenfalls dramatischer. Der Klimawandel wiederum wird durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe vorangetrieben. Da sich die Menschen in China und Indien kaum für unsere Energiespar-Initiativen interessieren, kann kurzfristig nur die Kernenergie halbwegs klimaverträglich den steigenden Energiebedarf decken. Wollen wir die Folgen von Naturkatastrophen wirklich begrenzen, dann kann die Folgerung aus den Ereignissen in Japan nur heißen: Atomkraft – Ja bitte!

Dieser Beitrag wurde unter Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

39 Antworten auf Atomkraft. Ja, bitte.

  1. Gequeoman sagt:

    Das Klimawandel-Argument habe ich verstanden, es ist jedoch dein einziges Argument. Sagen wir Ja zu Atomkraft, wird doch lediglich der status quo gehalten und der führt uns ja schon in die Klimakatastrophe. Also ist dieses Argument untauglich. Der Weg kann also nur sein, den Energiebedarf zu senken und einen möglichst breiten Energiemix zu fahren. Und dieser Konsens ist sogar parteiübergreifend getroffen worden und bis 2020 auch erreichbar. Deutschland als Vorreiter und Hochtechnologieland, dass dem Rest der Welt Energieeinsparung vorlebt und allen anderen die hierzu nötige Technologie verkauft. Können wir uns darauf einigen?

    • Sven Türpe sagt:

      Deutschland als Vorreiter und Hochtechnologieland, dass dem Rest der Welt Energieeinsparung vorlebt und allen anderen die hierzu nötige Technologie verkauft.

      Wo kann ich Energiesparbügeleisen, -aluminiumhütten, -schnellzüge oder -zementwerke kaufen? Zu welchem Preis?

    • Günther Vennecke sagt:

      … kann kurzfristig nur die Kernenergie halbwegs klimaverträglich den steigenden Energiebedarf decken.

      Das “Klima-Argument” zur Atomkraft ist in Wirklichkeit kein Argument und wird nur von Leuten verwendet, die entweder keine Ahnung von den Zusammenhängen haben oder bewusst lügen.

      Atomkraft macht weltweit 2-3% der Nutzenergien aus. Allein mit Wasserkraft wurde schon immer und wird mehr Strom erzeugt, als in Atomkraftwerken, deren Produktion in den nächsten 10 bis 15 Jahren hzudem noch rückläufig sein wird.

      Ein Ausbau der Atomkraft (wie viele müssten es denn sein, damit ein merklicher Beitrag zur CO2-Reduzierung geleistet werden könnte?) ist auch mangels ausreichender Uranvorkommen kaum möglich.

      Das sind die Fakten, die von Atombefürwirtern allzu gerne “übersehen” werden.

  2. Erkenntnis freier Beitrag

  3. Pingback: Atomalarm? « Erich sieht

  4. andre sagt:

    Es enbehrt nicht einer gewissen Komik, daß du im Anschluß an diesen Post über “Unklar Denken zweiter Ordnung” schreibst. Schließlich reihst du hier selbst eine Reihe von Unklarheiten aneinander:

    Während die Japaner unter den Folgen blinder Naturgewalten leiden, tun wir Europäer so, als hätte eine Technologie versagt.

    An dem Satz ist eigendlich alles falsch. Wenn ich mein Haus auf eine Eisscholle baue, leide ich dann unter “blinder Naturgewalt” wenn das Eis schmilzt? Ich kann mir das sicher so zurechtdrehen. Was das Leiden der Japaner angeht, ist es sicher auch ohne Kernkraftkatastrophe riesig, aber mit dieser ist es nochmal um vieles größer. Mehrere hundertausend Menschen sind durch die Naturkatastrophe obdachlos geworden. Mehrere hundertausend Menschen mußten bislang wegen der Nuklearkatastrophe evakuiert werden. Da tröstet es nicht, das die Kraftwerke Erdbebensicher gebaut und Meisterwerke der Ingenieurskunst waren, die Menschen haben Angst: Radiation fears spark panic, evacuations in Tokyo. Es tut meines Wissens nach auch niemand in Europa so, als hätte eine Technologie versagt. Es zeigt sich nur nochmals mit aller Deutlichkeit, daß das sogenannte Restrisiko, auch wenn es statistisch sehr gering ist, unbeherrschbar bleibt. Sicher ist das bei anderen Techniken auch so, es wird auch immer wieder Flugzeugabstürze und andere Technikkatastrophen geben, aber die Folgen für die Gesellschaft sind bei einer Nuklearkatastrophe um Größenordnungen schwerwiegender.

    Selbst wenn die Situation sich weiter verschlimmert, werden die Folgen der Zerstörung des Kraftwerkes, gemessen an den Folgen der Naturkatastrophe, lächerlich gering sein.

    Was macht dich so sicher in deiner Aussage? Wenn die Situation sich verschlimmert gibt es ein zweites Tschernobyl und die Folgen würden nicht nur Japan weit mehr und länger treffen als das gewaltige Erdbeben. Schau dir Tschernobyl oder Pripjat an, Städte die auf Jahrzehnte unbewohnbar bleiben werden, und frage dich, was es bedeuten würde, wenn Tokyo auch nur teilweise von einer solchen Katastrophe betroffen wäre.
    Das es hoffentlich so schlimm nicht kommen wird ist sicher kein Grund, nach mehr Atomenergie zu rufen.

  5. Sven Türpe sagt:

    Es zeigt sich nur nochmals mit aller Deutlichkeit, daß das sogenannte Restrisiko, auch wenn es statistisch sehr gering ist, unbeherrschbar bleibt.

    Eine Tautologie, weiter nichts. Restrisiken sind gerade das, was wir nicht ausschließen können oder wollen, also nicht beherrschen. Man darf sie aber nicht einfach beklagen, sondern muss sie gegen die Risiken der Alternativen abwägen. In Fragen der Energieversorgung gehören dazu beispielsweise auch Kriegsrisiken, wenn die Versorgung anders nicht gesichert werden kann. Bei nüchterner Betrachtung stehen selbst explodierte Kernkraftwerke in der Bilanz vielleicht gar nicht schlecht da.

    • andre sagt:

      Heißt Zynismus jetzt “nüchterne Betrachtung”?
      Müßten wir ohne Kernkraftwerke mal wieder Rußland erobern? Das Aufzeigen falscher Alternativen hilft nicht, wirkt wie ein Ablenkungsmanöver. Auch dein Tautologieargument geht an meiner Argumentation vorbei, weil das Restrisiko gesellschaftlich, nicht technisch, unbeherrschbar ist. Das Restrisiko beim Kraftverkehr etwa bleibt für die Gesellschaft, trotz tausender Toter und zehntausender Schwerverletzter jedes Jahr, beherrschbar, stellt ihr Funktionieren nicht grundsätzlich in Frage, bei der Kernkraft ist dies anders. Tschernobyl hat 200000 qkm Land verseucht, das ist mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands, 350000 Menschen mußten umgesiedelt werden, in Deutschland kämen schnell mehrere Millionen zusammen – du kannst dir ja mal ganz “nüchtern” ausmalen wieviel GAUs es braucht, um das Land in den Notstand zu katapultieren (ziemlich genau 1) und wieviel um es ins unregierbare Chaos zu stürzen (2-4?).

      • Sven Türpe sagt:

        Heißt Zynismus jetzt “nüchterne Betrachtung”?

        Die nüchterne Betrachtung heißt traditionell Zynismus, wo Populisten auf Emotionen zielen.

        … du kannst dir ja mal ganz “nüchtern” ausmalen wieviel GAUs es braucht, um das Land in den Notstand zu katapultieren (ziemlich genau 1) und wieviel um es ins unregierbare Chaos zu stürzen (2-4?).

        Restrisiko. Falls Du dennoch eine wirksame Maßnahme suchst, die dem genannten Problem vorbeugt und die Unregierbarkeit nach Eintreten eines abwegigen Katastrophenszenarios unwahrscheinlich macht, so empfehle ich ganz nüchtern den Aufbau einer stabilen Diktatur. Nicht dass ich diese Maßnahme für nötig hielte, aber das wäre der Preis für die Beseitigung einer kleinen Ungewissheit.

        • andre sagt:

          ganz nüchtern und unverstrahlt könnte man auch sagen: eine Technologie, die für die Beherrschung ihrer Folgen auf eine Diktatur angewiesen ist, muß von einer demokratischen Gesellschaft mit einiger Selbstachtung geächtet werden. Dann gibt es keine (jedenfalls nicht diese) Ungewissheit und auch keine Diktatur. Manchmal kann die Lösung ganz einfach sein – wenn man will.

    • Günther Vennecke sagt:

      In Fragen der Energieversorgung gehören dazu beispielsweise auch Kriegsrisiken, wenn die Versorgung anders nicht gesichert werden kann. Bei nüchterner Betrachtung stehen selbst explodierte Kernkraftwerke in der Bilanz vielleicht gar nicht schlecht da.

      Sorry, aber das ist doch kompletter Unsinn! Gerade in Kriegszeiten ist ein Land mit Atomkraftwerken nicht mehr zu verteidigen, weil der Angriff auf und die Zerstörung von nur ein oder zwei AKWs das angegriffene Land bereits in den Ruin treiben würden.

  6. Andre, es ist sehr schade, dass du in deiner Argumentationsweise den Skandal-Reportern nacheiferst, die mir in den letzten Tagen so massiv auf die Nerven gehen. “Hunderttausenden Obdachlosen” stellst du “hunderttausende Evakuierte” gegenüber – dabei weißt du sicher selbst sehr genau, dass eine Evakuierung etwas anderes ist als Obdachlosigkeit, ganz zu schweigen davon, dass nicht “mehrere Hunderttausend” evakuiert worden sind sondern (unterschiedlichen Angaben nach) zwischen 80.000 und 140.000. Es ist diese pauschalierende Gleichmacherei die jede sachliche Diskussion unmöglich macht und die ich von Dir auch in so einem emotional belastenden Fall nicht erwartet hätte.

    Und was bitte soll der Vergleich mit der Eisscholle? Hätten die Japaner ihre Insel verlassen sollen als ihnen klar wurde, dass sie in einer Erdbeben-gefährdeten Region leben?

    Und was das restrisiko betrifft: Sven Türpe hat das wichtigste dazu auf den Punkt gebracht, aber ich möchte ergänzen, dass die aktuellen Ereignisse zeigen, dass Japan sehr gut auch auf diese Situation eines extrem schweren Erdbebens mit folgendem extrem schweren Tsunami vorbereitet waren. Genau auf diesen Fall waren die Sicherheitssysteme ausgelegt, die dafür gesorgt haben, dass die Menschen in Sicherheit gebracht werden konnten. Niemand sagt, dass keine Schäden entstanden sind und dass es nicht lange dauern wird, bis sich das Leben wieder normalisiert hat. Aber in der Logik der Atomkraftgegner hätte man in Japan keine Häuser bauen dürfen, unter denen nun Tote begraben liegen, keine Autos benutzen, in denen Menschen ums Leben gekommen sind, überhaupt keine Kulturlandschaft entwickeln dürfen, in denen sich Menschen, die nun gestorben sind, eingerichtet hatten. Das Risiko, bei einem Strandspaziergang von einem Tsunami weggespült zu werden, ist in Japan extrem hoch – hätten die Menschen darauf verzichten müssen?

    • andre sagt:

      Keine Frage Jörg, Japan war gut vorbereited und geht im wesentlichen (wie es scheint) gut mit der Situation um. Du aber und auch Sven Türpe wollt den qualitativen Unterschied zwischen den beiden Katastrophen verwischen. Es geht nicht um die Anzahl der Toten, der Verkehr in Deutschland fordert jedes Jahr mehr als die Naturkatastrophen in Japan, auch mehr als etwa der Krieg in Südossetien/Georgien. Es geht bei einem GAU wie in Tschernobyl um die generelle Infragestellung des Funktionierens der Gesellschaft. Wenn ein Haus einstürzt bauen wir ein neues, wenn ein Flugzeug abstürzt ebenso, wenn aber 100000 qkm Land auf hundert oder dreihundert Jahre unbewohn- und unbewirtschaftbar werden, dann hat ein dichtbesiedeltes Land wie Japan oder Deutschland ein Riesenproblem.

    • Günther Vennecke sagt:

      Aber in der Logik der Atomkraftgegner hätte man in Japan keine Häuser bauen dürfen …

      Seltsame Logik, die Sie da unterstellen. Lebensrisiken lassen sich grundsätzlich nicht ausschließen, aber Risiken, die Leben und Gesundheit von Millionen von Menschen über viele Generationen hinweg bedrohen, sind einfach nicht hinnehmbar.

      Wie ist es, melden Sie sich freiwillig für den Katastropheneinsatz direkt am Reaktor, wenn es auch bei uns zu einem schweren Störfall kommt? Das wäre doch das Mindeste, was von Ihnen erwarten kann, wenn Sie sich für die Tod bringende und Menschen verachtende Atomkraft stark machen.

  7. andre sagt:

    DailyMail liefert hier einen aktuellen ziemlich umfassenden Überblick:
    ‘They’ve lost control’

  8. Scorpio sagt:

    Diesen Artikel vermag ich nicht anders als die totale Bankrotterklärung von Verstand, Moral und Verantwortungsbewußtsein des Autors verstehen. Ich bin entsetzt und enttäuscht.

    Atomkraft zur Stromerzeugung ist ein Verbrechen.
    http://scorpiosgladius.wordpress.com/2011/03/15/es-ist-alles-sicher-sagt-man-mir-wers-glaubt/

  9. Jörg Friedrich sagt:

    Andre, wenn es um die generelle Infragestellung des Funktionierens der Gesellschaft geht, dann lass uns das bitte auch so diskutieren. Dann lautet die erste Frage: Hat die Katastrophe von Tschernobyl das Funktionieren der ukrainischen Gesellschaft in Frage gestellt? Die zweite Frage ist: Gesetzt, die Benutzung der Kernenergie bzw die daraus resultierenden Risiken würden tatsächlich das Funktionieren einer Gesellschaft mehr in Frage stellen als viele andere Risiken, warum ist das so? Weil bei einem Unfall mehr Tote zu beklagen sind? Weil mehr Infrastruktur oder mehr Lebensraum zerstört wird? All das ist, gemessen an anderen Risiken, nicht der Fall. Warum also ist das atomare Risiko für “das Funktionieren der Gesellschaft” so besonders relevant?

  10. Jörg Friedrich2 sagt:

    Zu “Meisterleistung der Technik”:
    Vor Japan liegt der offene Pazifik, ohne Korallenriffe, einem Watt oder sonst etwas. Wie kann man also annehmen, dass es niemals Wellen höher als 10m geben werde? Wie konnte man ausgerechnet die Notstrom-Dieselgeneratoren so tief legen, dass Sie bei der geringsten Überflutung von Fukushima absaufen?

    Ihr wisst was eine Totmann-Schaltung ist, oder? Sicherheitskritische System werden eigentlich immer so ausgelegt, dass man aktiv etwas tun muss, damit das System läuft. Fällt der “Akteur” aus, dann hält das System automatisch an.
    Es kommt mir geradezu “magisch”-idiotisch vor, dass alle KKWs auf der Welt genau gleich und genau NICHT wie eine Totmann-Schaltung konzipiert sind: Man muss aktiv “moderieren”, um sie runter zu fahren. Wieso ist es nicht so, dass die Brennstäbe automatisch auf Abstand gebracht werden, wenn der “Akteur” ausfällt, bzw. der Moderator automatisch weggebracht wird, damit die Kettenreaktion aufhört?
    Wenn man doch weiss, dass es zu Wasserstoffbildung und damit zu Knallgas-Explosionen kommt, wieso gibt es für diese Entwicklung keine Vorkehrungen?
    Wieso kann man den Druck im Reaktor nicht “gefiltert” ablassen?
    Die Antwort auf all die Fragen ist natürlich “aus Kostengründen”. Aber ich vermisse da schon die technische Meisterleistung!

    • Sven Türpe sagt:

      Ihr wisst was eine Totmann-Schaltung ist, oder? Sicherheitskritische System werden eigentlich immer so ausgelegt, dass man aktiv etwas tun muss, damit das System läuft. Fällt der “Akteur” aus, dann hält das System automatisch an.

      Nicht immer, sondern nur dort, wo die Sicherheit wesentlich von einem einzelnen Bediener abhängt und dieser Bediener aktiv etwas tun muss, damit das System hält. Der Totmann-Schalter übernimmt bei Ausfall des Bedieners dessen Aufgabe, das System zum Stehen zu bringen. Ein Auto zum Beispiel hat und braucht keinen Totmann-Schalter, weil es bei Ausfall seines Fahrers nach kurzer Strecke gegen ein Hindernis oder in einen Graben fährt. Ein Eisenbahnzug andererseits könnte in dieser Situation lange weiterfahren, auf elektrifizierten Ringstrecken im Prinzip bis zur Stromabschaltung — oder bis zum Unfall.

      Kernreaktoren benötigen keinen Totmann-Schalter: sie werden von einer Mannschaft bedient.

      • Jörg Friedrich2 sagt:

        @Sven: Das mit der Totmann-Schaltung war doch nur ein Beispiel, um ein Prinzip zu verdeutlichen. War das so schwer zu verstehen?
        Ins Unreine gedacht: Beim KKW könnte man die Stäbe so konzipieren, dass Sie z.B. durch die Schwerkraft auseinandergezogen werden und man “aktiv” Sie zusammenziehen muss, damit es zur Kettenreaktion kommt. Natürlich kann so eine “Mechanik” auch versagen, aber ungleich sicherer wäre das.
        Genauso sollten die Abklingbecken so konzipiert sein, dass man einfach Wasser aus höherliegenden Bassins ohne Pumpen einleiten kann. Und nicht wie bei Fukushima, wo die Becken z.T. über den Reaktoren liegen.
        Mir ist selbstverständlich klar, dass das alles viel teuerer wäre…

        • Günther Vennecke sagt:

          Beim KKW könnte man die Stäbe so konzipieren, dass Sie z.B. durch die Schwerkraft auseinandergezogen werden und man “aktiv” Sie zusammenziehen muss, damit es zur Kettenreaktion kommt.

          Merkwürdig, irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass Sie nicht die geringste Ahnung haben, wie ein Atomreaktor aufgebaut ist.

          Brennstäbe sind fest in Bündeln arrangiert und ihre Aktivität wird durch Steuerstäbe, die man ein- und ausfährt geregelt.

          Kühlung funktioniert auch nicht dadurch, dass man einfach Wasser draufkippt, die Wärme muss abgeleitet werden. Dahzu MUSS man pumpen.

          Mir ist selbstverständlich klar, …

          Offensichtlich ist Ihnen gar nichts klar, was mit Atomkraft zu tun hat.

          • Jörg Friedrich2 sagt:

            Lieber Günther,
            vielleicht kommst Du auf den Hintergrund meines Gedankens, wenn Du Dich fragst, was noch die Leistung der Brennelemente im Bündel reduzieren könnte, ausser das “aktive” Einführen der Steuerstäbe…
            By the way, das Wasser ist für die Moderation (Abbremsung der Neutronen zur Anregung der Spaltung) der Brennelemente, für die Dampferzeugung und nach dem “Abschalten” für die Restwärmeabfuhr da…

  11. Jörg Friedrich2 sagt:

    Zu “Vergleich der Zahl der Toten”, “Opfer die eine technische Errungenschaft kostet”:
    Ich strapaziere auch gern den Vergleich mit der Zahl der Toten, die die Gesellschaft akzeptiert, für die “Freiheit” des Individualverkehrs. Mich ärgert hier immer wieder das zweierlei Maß, mit dem man die Zahl von Toten misst. Dennoch gibt es unterschiedliche Qualitäten in den Lebensrisiken, die wir einzugehen bereit sind.
    Für mich birgt die Kernkraft ein Risikopotential und eine Risikoqualität, die mir einfach zu groß bzw. nicht akzeptabel sind.
    Durch atomare Verseuchung können hunderttausende zu Tode kommen (Risiko-Potential, auch wenn das noch nicht vorgekommen ist). Berücksichtigt man die Art der Schädigung/Zerstörung und auch die Endlagerstätten, so tangiert das Risiko auch unsere Kinder und Kindeskinder, hat also eine andere Qualität.
    Die Frage ist letztendlich, was ist schlimm?
    Etwas das 10, 1000, 100.000 Menschen in einem bestimmten Zeitraum tötet?
    Oder Lebensumstände, die einfach sehr viel unangenehmer sind als sie sein müssten?
    Es muss also nicht gleich das “Funktionieren der Gesellschaft” gefährdet sein, um zu entscheiden, was untragbar ist. Objektive Antworten auf meine beiden letzten Fragen von eben gibt es nicht. Die braucht es auch nicht. Denn es geht darum die Qualität zu verbessern und die Quantität zu reduzieren (das ist im gewissen Sinne ja Aufgabe der Technik). Dazu muss ich mich aber auch entscheiden, was für mich untragbar ist, sonst weiss ich nicht, in welche Richtung ich optimieren muss.

    Leider verdichtet sich bei mir der Eindruck, dass die KKWs – übrigens ähnlich wie viele andere Entwicklungen – nicht aus Gründen der Ökologie, also zum Wohle einer Mehrheit gebaut wurden und werden, sondern zur Bereicherung einer Minderheit.
    Auch in China wird der schnell wachsende Strombedarf als Argument vorgeschoben, KKWs bauen zu können. Mit KKWs lassen sich Sekundärkosten (Müll, politische Durchsetzung, Schutz, Versicherung, Schäden) auf die Allgemeinheit abwälzen und schneller und mehr Geld verdienen (Einzelne) als mit jedem anderen Kraftwerkstyp.
    Dafür ist mir das Risiko dann gleich doppelt zu hoch…

  12. Jörg Friedrich2 sagt:

    ACHTUNG:
    Zu “Meisterleistung der Technik” + Zu “Vergleich der Zahl der Toten”, “Opfer die eine technische Errungenschaft kostet” vom 16.3.2011:

    Diese beiden Beiträge stammen (wie man am Inhalt merkt) nicht von dem Jörg Friedrich, der diesen Blog betreibt, sondern von einem Namensvetter.

    @ Jörg: Kannst Du vielleicht den Namen von mir ändern, so wie in diesem Beitrag?

  13. Jörg / Arte-Fakten sagt:

    Namensvetter, ich weiß nicht, wie oft es an Ozeanküsten 10 m hohe Wellen gibt, aber ein Tsunami ist keine normale Welle, und bei dem Effekt, den eine Welle auslöst, kommt es nicht nur auf die Wellenhöhe, sondern auch auf die Wellenlänge an. Es ist schlicht falsch, dass die Notstromaggregate bei jeder beliebigen hohen Welle ausgefallen wären – hier kommt es auf die Gesamtwassermasse an, die sich über die Anlage ergiest, und dieses Wassermenge kommt nur bei einem Tsunami zustande, der nach einem besonders starken Erdbeben auftreten kann.

    Es ist auch nicht richtig, dass alle technischen Anlagen mit Ausnahme von Kernkraftwerken abgeschaltet werden wenn der “Akteur” ausfällt, das wäre auch fatal, wenn man z.B. an Flugzeuge denkt. Aber gerade bei der Energieversorgung, und darunter insbesondere bei den sogenannten erneuerbaren Energien, gibt es keine Totmann-Schaltung. Windkraftanlagen z.B. müssen sehr oft “aktiv moderierend” abgeschaltet werden, weil sie gerade bei zu starkem Wind eine Gefahr für das Stromnetz darstellen.

    Natürlich werden Kernkraftwerke nicht “aus ökologischen Gründen” gebaut, sie werden, wie auch Kohle-, Wasser- und Windkraftwerke, gebaut, um Strom zu erzeugen, weil es für Strom eine Nachfrage gibt und weil die Einnahmen aus dem Verkauf dieses Stroms höher sind als die Kosten der Erzeugung. Ob die Kosten der Erzeugung die zu erwartenden Schäden, die die Gesellschaft zu beseitigen hat, abdecken, ist bei vielen Technologien unklar, dazu braucht man erst einmal eine sachliche Diskussion über erwartete Schäden und deren Bedeutung. Ist der Schaden aus der Endlagerung von Brennstäben und aus Atomkatastrophen höher als der Schaden aus der globalen Erwärmung? Kann der kulturelle Verlust aus der Überflutung von Schluchten in China beim Staudammbau, verbunden mit der Umsiedlung der ansässigen Bevölkerung und möglichen weiteren Umweltschäden gegen den Bau von Kernkraftwerken aufrechenbar? Wieviele Windkraftanlagen brauchte man, um den Strombedarf zu decken, welche Schäden an Flora und Fauna würde das verursachen und wäre das akzeptabel? Und wie sieht da die Gesamtenergiebilanz einschließlich zusätzliche Netzkapazitäten aus? Genauso bei der Nutzung der Solarenergie: Dort werden hochgiftige materialien verwendet, und das Endlager-Problem für defekte Sonnenenergie-Systeme ist so ungelöst wie bei der Kernenergie. Für Windeenergie und Kernenergie brauchen wie völlig neuartige Speichersysteme, denn der Strom wird immer gerade dann produziert, wenn er am wenigsten gebraucht wird, selbst wenn (wie beim Deserttec-Projekt vorgesehen) den Strom für Europa aus der Sahara beziehen würde denn auch da ist Tag, wenn bei uns Tag ist und Sommer, wenn bei uns Sommer ist. Welche Risiken und Abhängigkeiten erwachsen aus diesen Speichersystemen, kann man diese gegen Kerneenergie-Risiken verrechnen?

    Die zentrale Frage ist für mich: Wie wählt eine Gesellschaft die Risiken aus, die sie einzugehen bereit ist, um ihren Wohlstand zu erhalten oder zu mehren? Dabei kommt es auf Deutschland eigentlich wirklich überhaupt nicht an, nicht mal als technologischer Vorreiter, denn es gibt (man staune) auch andere technologische Zentren auf der Welt. Allenfalls können wir uns als Diskutanten am globalen Diskurs beteiligen, aber als alternde, schrumpfende Schreihälse mit Panikatacken und irrationalen Ängsten werden wir uns da nur lächerlich machen – besser scheint mir eine reflektierte Begründung unserer eigenen Risiko-Bewertung zu sein.

    • Günther Vennecke sagt:

      Genauso bei der Nutzung der Solarenergie: Dort werden hochgiftige materialien verwendet, und das Endlager-Problem für defekte Sonnenenergie-Systeme ist so ungelöst wie bei der Kernenergie.

      Mein Gott, was für ein bodenloser Unsinn!!!

    • Jörg Friedrich2 sagt:

      Tsunamis:
      Der Tsunami vom 11.3.2011 soll zu Wellen > 20Meter geführt haben (las ich heute irgendwo).
      Der Tsunami von 1936 zu Wellen > 30Meter…

  14. Scorpio sagt:

    @ JF
    Eine technische Debatte ist im Zusammenhang mit Atomkraftwerken vollkommen zweckfrei. Der Unterschied im Risiko besteht darin, daß die Folgen einer Katastrophe potentiell kontinental oder gar global, sowie für unabsehbar lange Zeit nicht zu reparieren sind. Keine andere derzeit benutzte Technologie birgt auch nur annähernd vergleichbare Risiken. Die Risiken bestehen zu dem noch über Jahrhunderte oder Jahrtausende fort, nachdem der letzte Strom produziert wurde.
    Das “Endlagerproblem” ist nicht nur ungelöst, sondern es ist der Grund dafür, daß Atomstrom die mit großem Abstand teuerste Methode Strom zu produzieren ist. Nur daß wir diese Kosten den kommenden Generationen aufbrummen. Aber das reicht uns noch nicht, nein, wir hinterlassen ihnen auch die Risiken. Sie sind doch ein intelligenter Mensch, wie können Sie im Ernst dieses idiotische Verbrechen befürworten?

  15. Jörg Friedrich2 sagt:

    @Jörg Friedrich:
    interessant: Du denkst irgendwie komplett anders als ich. Des find’ ich spannend.
    zu “Notstromaggregate”:
    Schon klar, dass es unterschiedliche Wellen gibt. Aber zum einen gibt es Stürme mit 10m-Wellen (dann eben mit kurzer Wellenlänge, dafür öfter) und zum anderen sollte man spätestens seit Thailand im Pazifik mit Tsunamis rechnen, vor allem wenn man gleich mehrere Kontinentalplatten um sich herum hat.
    Ich bleib’ dabei, es ist Schwachsinn gewesen, die Aggregate an der tiefsten Stelle und dann noch zum Meer hin zu bauen.

    Zu “Totmann-Schaltung”:
    Ich hab’ nirgends geschrieben, dass “alle techn. Anlagen” so ausgerüstet sind.
    Flugzeug können prinzipbedingt nicht so konzipiert werden. Aber wenn es die Möglichkeit gibt, sollten gerade bei so gefährlichen “Maschinen” wie KKWs nicht die Kosten gescheut werden, um Sie zu realisieren. Windkrafträder besitzen weder das Risikopotential noch die Zerstörungskraft wie KKWs, selbst wenn sie gehäuft auftreten.
    Sorry, aber Deine Vergleiche kann ich so nicht akzeptieren.

    Bei vielen Deiner folgenden Fragen, kann ich nur zustimmen. Sie sollten gestellt und beantwortet werden. Die Menschheit denkt immer noch so wenig kollektiv und nachhaltig wie vor 2000 Jahren. Auch hinter der regenerative Energieerzeugung steht (leider) überwiegend der gleiche menschliche Antrieb: Nicht, wie Du denkst, die Befriedigung einer Nachfrage, sondern die Geldgier.
    Die Hauptmotivation zu handeln, etwas Neues zu beginnen (vielleicht nicht beim Erfinder, dann aber bei der Realisation) ist der Wunsch nach Geld/Besitz. Und wenn es Mühe kostet herauszufinden, was besser wäre und man evtl. auch unter Entscheidungsdruck steht, dann entscheidet man sich für das was einem persl. am meisten bringt.
    Leider beantwortet das Deine Frage “Wie wählt eine Gesellschaft die Risiken aus, die sie einzugehen bereit ist, um ihren Wohlstand zu erhalten oder zu mehren?” So wählt sie heute. Und glaube mir, das beste, techn. Machbare kommt dabei nicht heraus, sondern ein suboptimaler Kompromiss.
    Und noch einmal – ähnlich wie ein Vor-Schreiber es auch sagte – das Risikopotential eines KKWs ist unvergleichlich höher als das vieler anderer Maschinen. Und ich bin gerade hier der Auffassung, dass Alternativen zu wenig geprüft wurden und werden, weil der Antrieb zur Handlung nicht stimmt.

    Aber noch etwas anderes Blitz in Deinen Fragen auf:
    Beim Versuch einer Risiko-Berwertung geraten wir relativ schnell in ein (zwei) Dilemma: Welchen Wert hat eine Menschenleben? Gibt es unterschiedliche wertvolle Menschen? Die allermeisten Menschen können hier nur nach der Maxime denken, so wenig Tote wie möglich. So begründe ich übrigens auch meine Einschätzung des Risiko-Potentials von KKWs (das ist etwas anderes als das bisher statistisch erreichte Risiko). Im worst case Fall kann eine einzelne Instanz dieser Maschine sehr viele Menschenleben kosten.

    Ich stimme Dir auch zu, dass es viel Hysterie und Irrationalität gibt, anstelle vernünftiger Überlegungen. Aber über das solltest Du hinwegsehen und versuchen das zu finden, was sich tatsächlich ändert. Und da meine ich schon eine Cäsur zu sehen, bei allem Gedöns.

    Zum Schluss:
    Ein wenig habe ich das Gefühl bei Deinen Ausführungen, Du willst partout “ja” zu den KKWs sagen. Wohl weil Dich die unsachliche Hysterie nervt. Du wirfst gute Fragen auf, lässt aber die Antwort im Raum stehen. Wohl mit der Absicht das “nein” vieler so zu entkräften. Mich hast Du aber nicht überzeugt, obwohl ich wirklich versuchte habe Deine Gedankengänge nachzuvollziehen. Du gibst eben keine “Risiko-Bewertung” ab, wirfst nur die Frage auf, ob die “landläufige” denn richtig sein kann.
    Trotzdem Danke fürs diskutieren. Hat Spaß gemacht.

    • JSM sagt:

      Zu:
      “Beim Versuch einer Risiko-Berwertung geraten wir relativ schnell in ein (zwei) Dilemma: Welchen Wert hat eine Menschenleben? Gibt es unterschiedliche wertvolle Menschen? Die allermeisten Menschen können hier nur nach der Maxime denken, so wenig Tote wie möglich.”

      Für mich macht dieses Statement den Eindruck, als ob es sinnvoller ist, eine Maschine zu bauen, die zu 100% EIN Menschenleben kostet, statt eine Maschine die zu 0,001% dann 1 Million Menschen das Leben kostet. Das mach mal dem EINEN klar, der dran glauben muss.

  16. Gerd Friedrich sagt:

    Zum Nachdenken:
    Philosoph Rüdiger Safranski: “Restrisiko ist eingetroffen – wir müssen die Grenzen der Machbarkeit wieder lernen.”

  17. Pingback: Differenz von Risikostrukturen #restrisiko #ökostrom « Differentia

  18. EsEf sagt:

    “Atomkraft – ja, bitte” …

    Gilt das immer noch? Man hat den Bürgern weisgemacht, dass ein GAU statistisch gesehen alle 100.000 Jahre eintritt. Nach meinen Recherchen passiert das eher alle 20-25 Jahre (Majak, Three Mile Island, Tschernobyl, Fukushima).

    In allen Fällen wurden große Teile des umliegenden Geländes auf lange Zeit verseucht. In allen Fällen zeigen sich die Auswirkungen von Inkompetenz, Gewinnsucht, Selbstüberschätzung und blindem Technikglauben. In allen Fällen bekommt man Ausreden, Ausflüchte und Lügen zu hören – wenn die schlimmsten Fakten nicht gleich verschwiegen werden.

    Ein Unfall wie Tschernobyl mag im weitläufigen Russland verschmerzbar sein (zynisch gesehen). Im engbesiedelten Japan oder im ähnlich dicht besiedelten Europa nicht.

    Können wir uns so etwas leisten? Man braucht sich doch nur die meldepflichtigen Vorkommnisse in Euro-KKWs anzusehen und schlägt dann noch mal 50% mehr oder weniger kritische Vorkommnisse drauf, die einfach vertuscht werden. Das eigene Versagen zu verbergen ist menschlich, es ist wirtschaftlich sinnvoll und kostentechnisch nützlich. Energieversorger interessiert der Profit – sonst nichts.

    In Fukushima (genau wie bei Tschernobyl) haben wir ein Paradebeispiel von Lügen und menschlichem, sowie technischen Versagen erlebt. Wer glaubt, dass das in Europa anders wäre, der träumt. In Tschernobyl wurden ~ 600.000 bis 800.000 Menschen verheizt um die Katastrophe in den Griff zu bekommen.

    Wie würde so ein Fall bei uns aussehen? Kritische Situationen gab es mehr als genug. Bisher hatten wir Glück.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.