Warum der lange Hals der Giraffen eigentlich zu kurz und kein brauchbares Beispiel für die Erklärungskraft der Darwinschen Evolutionstheorie ist

Schon den Römern erscheint die Giraffe als ein erstaunliches Tier. Sie glaubten, sie sei eine Mischung aus einem Kamel und einem Leoparden, eine Anschauung, die sich bis heute in ihrem lateinischen Namen »Giraffa camelopardalis« überliefert hat. Als später die Wissenschaftler begannen, über die Evolution der Tierwelt nachzudenken, schien die Giraffe ein ideales Beispiel zu sein, um an ihrem langen Hals die Evolutionstheorie zu erklären. Einer der ersten war Jean-Baptist Lamarck, der in seinem Hauptwerk »Philosophie Zoologique« (1809) beschrieb, wie der lange Hals evolvierte:

»Was die Gewohnheiten anbetrifft, ist es interessant, die Wirkungen derselben an der besonderen Gestalt und am Wuchse der Giraffe (Camelopardalis) zu beobachten. Es ist bekannt, dass dieses Tier, das größte unter den Säugetieren, im Inneren Afrikas wohnt und in Gegenden lebt, wo der beinahe immer trockene und kräuterlose Boden es zwingt, das Laub der Bäume abzufressen und sich beständig anzustrengen, dasselbe zu erreichen. Infolge dieser seit langer Zeit angenommenen Gewohnheit sind bei den Individuen ihrer Rasse die Vorderbeine länger als die Hinterbeine geworden, und ihr Hals hat sich dermaßen verlängert, dass die Giraffe, wenn sie ihren Kopf aufrichtet, ohne sich auf ihre Hinterbeine zu stellen, eine Höhe von sechs Metern (beinahe zwanzig Fuß) erreicht.«

Der Gegensatz zwischen dieser und Charles Darwins Erklärung, wie die Giraffe zu ihrer außergewöhnlich großen Gestalt kam, ist seit langem ein populäres Beispiel in Schul- und einführenden Lehrbüchern, um den grundsätzlichen Unterschied zwischen den Sichtweisen deutlich zu machen. Darwins Betrachtung steht jedoch nicht – wie man glauben könnte und in vielen Publikationen zu lesen ist – in der Erstausgabe (1859) seines berühmten Werkes, sondern erst in der sechsten und letzten Ausgabe von 1872. Sie ist auch keine Reaktion auf Lamarck, sondern auf Einwände des Zoologen Milvart gegen seine Theorie:

»Die Giraffe ist durch ihre hohe Gestalt, ihren langen Hals, ihre langen Vorderbeine, sowie durch die Form von Kopf und Zunge prachtvoll zum Abweiden hochwachsender Baumzweige geeignet. Als die Giraffe entstanden war, werden diejenigen Individuen, die die am höchsten wachsenden Zweige abweiden und in Zeiten der Dürre auch nur einen Zoll höher erreichen konnten als die anderen, häufig erhalten geblieben sein (…) Sie werden sich gekreuzt und Nachkommen hinterlassen haben, die entweder dieselben körperlichen Eigentümlichkeiten oder doch die Neigung erbten, in derselben Weise zu variieren, während in dieser Beziehung weniger begünstigte Individuen am ehesten ausstarben. (…) Dass die Individuen einer Art oft ein wenig in der relativen Länge all ihrer Teile differieren, kann man aus zahlreichen naturgeschichtlichen Werken sehen, die sorgfältige Maße angeben.«

Schaut man genauer hin, ist der Kontrast zu Lamarck gar nicht so ausgeprägt, wie diese häufig angeführte, verkürzte Passage suggeriert, denn Darwin spricht in den ausgelassenen Textstellen »von der vererbten Wirkung des vermehrten Gebrauchs der Teile« (in diesem Fall des Halses). Er glaubt also wie Lamarck, dass für die Umgestaltung eines gewöhnlichen Huftieres zu einer Giraffe die Vererbung erworbener Eigenschaften verantwortlich ist. Noch erstaunlicher ist, dass es in Wirklichkeit der Naturforscher Alfred Russel Wallace war, der bereits in seinem Ternate-Manuskript »On the Tendency of Varieties to Depart Indefinitely from The Original Type«, das er 1858 an Darwin geschickt hatte, bezüglich der Evolution des Giraffenhalses ziemlich prägnant die Argumentation vertritt, die Darwin heute so selbstverständlich zugeschrieben wird:

»The hypothesis of Lamarck – that progressive changes in species have been produced by the attempts of animals to increase the development of their own organs, and thus modify their structure and habits…. Neither did the giraffe acquire its long neck by desiring to reach the foliage of the more lofty shrubs, and constantly stretching its neck for the purpose, but because any varieties which occurred among its antitypes with a longer neck than usual at once secured a fresh range of pasture over the same ground as their shorter-necked companions, and on the first scarcity of food were thereby enabled to outlive them.«*)

Im Schulunterricht wird die Darwinsche Evolutionstheorie auch heute noch am Beispiel der Giraffenevolution veranschaulicht. Es heißt dann, der lange Hals der Giraffe sei entstanden, weil diejenigen Giraffen, die zufällig einen etwas längeren Hals hatten, in Trockenzeiten Konkurrenzvorteile beim Nahrungserwerb hatten. Das ist natürlich keine hinreichende oder gar wasserdichte Erklärung für die Ursache der Evolution eines kurzhalsigen giraffenähnlichen Huftieres zu einer langhalsigen Giraffe. Tatsächlich wird hier nur anknüpfend an ein besonderes Merkmal des Phänotyps (hier der auffällig lange Hals) ein adaptives Szenarium für dessen Entstehung entworfen.

In den letzten Jahrzehnten wurde von verschiedenen Evolutionsforschern (vor allem von dem verstorbenen Paläontologen Stephen Jay Gould), die der Reichweite der Darwinschen Evolutionstheorie kritisch oder skeptisch gegenüber stehen, solcherart spekulative Merkmalserklärung als evolutionary oder adaptive storytelling verspottet. Tatsächlich verliert die klassisch gewordene Geschichte von Entstehung des Giraffenhalses rapide an Überzeugungskraft, wenn sie eingehender vor dem Hintergrund biologischer und ökologischer Erkenntnisse betrachtet wird (vgl. hierzu Holdrege 2003):

- Giraffen, die einen längeren Hals (und längere Beine) evolviert haben, sind nicht nur größer, sondern auch erheblich schwerer. Sie benötigen daher mehr Futter als kleinere Artgenossen, mit denen sie konkurrieren. Haben größere Exemplare also wirklich einen Vorteil gegenüber kleineren und ist es nicht absurd zu glauben, dass nur die Blätter von hoch gelegenen Ästen, die Giraffen befähigen, eine Trockenheit zu überleben?

- Männliche Giraffen sind mit sechs Metern Gesamthöhe etwa einen Meter größer als weibliche Tiere. Ab dem Augenblick, wo sich dieser sexuelle Dimorphismus in der Evolution der Giraffen manifestiert hat, waren es nur die ausgewachsenen Bullen, die die am höchsten wachsenden Zweige abweiden konnten. Wenn Giraffenkühe und Jungtiere aufgrund dieses Konkurrenznachteils verhungert wären, wäre mit ihnen auch die Art ausgestorben.

- Wenn der lange Hals von Giraffen durch Konkurrenzvorteile beim Abweiden hoch gelegenen Blattwerks evolviert ist, dann würde man erwarten, dass Giraffen sich nicht nur in Trockenzeiten, sondern ständig so ernähren. Untersuchungen zeigen jedoch, dass Bullen etwa die Hälfte der Zeit in bis zu fünf Metern Höhe fressen, während Kühe die meiste Zeit in Schulterhöhe oder noch tiefer weiden. Die Giraffen nutzen ihren Hals in der Regel nicht so, wie es die Theorie voraussetzt.

- Die präferierten Nahrungshabitate von Giraffen variieren saisonal. In Trockenzeiten suchen sie u. a. flussbegleitende Galeriewälder auf. Dort fressen sie überwiegend von Büschen in Schulterhöhe, also in einer Zone, die auch anderen größeren Pflanzenfressern zugänglich ist. In der Regenzeit, wenn in allen Höhenbereichen genügend Futter vorhanden ist, neigen sie dagegen dazu, von höheren Zweigen frische proteinreiche Blätter abzuweiden.

- Es gibt andere Möglichkeiten für Tiere hoch gelegenes Blattwerk zu erreichen. Ziegen klettern bekanntlich auf Bäume, um Blätter, Baumrinde oder Früchte abzuweiden. Antilopen klettern zwar nicht in Bäume aber stellen sich aber auf die Hinterbeine, um sich zusätzliche Nahrungsquellen in Bäumen zu erschließen. Selbst die viel schwereren Elefanten stellen sich manchmal auf ihre Hinterbeine, um mit dem nach oben ausgestreckten Rüssel saftiges Blattwerk in den Baumkronen zu erreichen.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass nichts in der klassischen Version der Geschichte von der Entstehung des Giraffenhalses eine zwingende Verbindung zwischen einem langen Hals und dem Abweiden von hoch gelegenem Blattwerk nahelegt. Giraffen haben zwar im Vergleich zu anderen Säugern einen langen Hals (und auch lange Beine) und können damit Blätter in den Kronen von Bäumen erreichen; das bedeutet aber nicht, dass das Bedürfnis oder die Notwendigkeit hoch gelegenes Blattwerk abzuweiden, der ursächliche Faktor in der Evolution dieses Merkmals (oder dieser Merkmale) ist. Wann immer man sich bei der Erklärung des langen Halses der Giraffe ausschließlich auf einen Punkt konzentriert, simplifiziert man die komplexe Realität der Giraffe.

Doch damit nicht genug, man könnte sogar fragen, ob die Frage nach der Entstehung des langen Halses der Giraffe nicht auf eine falsche evolutive Fährte führt. Streng genommen, haben Giraffen nämlich einen im Verhältnis zu ihrer enormen Körpergröße eher zu kurzen als zu langen Hals. Kein anderes Huftier muss die Beine in einer aufwendigen Prozedur so weit spreizen, um in eine Position zu gelangen, die es ihm ermöglicht, Wasser zu trinken. Warum ist die Giraffe dann für ihren langen und nicht für ihren zu kurzen Hals berühmt geworden? Die Antwort lautet natürlich, dass die Giraffe im Vergleich zu anderen Säugetieren einen sehr langen Hals hat. Aus der Perspektive einer reflektierten Evolutionsforschung ist diese Antwort allerdings wenig konstruktiv.

Der versierte Pflanzengenetiker Wolf-Ekkehard Lönnig (2006/2010) hat einige gewagte Äußerungen zur Entstehung des Giraffenhalses von populären oder prominenten Anhängern der Darwinschen Evolutionstheorie wie Ulrich Kutschera (2005), Richard Dawkins (1996) und Kathleen Hunt (1999) zum Anlass genommen, eine knapp 140 Seiten umfassende detaillierte Monographie über »Die Evolution der Langhalsgiraffe« zu schreiben. Er zeigt darin auf stichhaltige und gut dokumentierte Weise, dass weder paläontologische, anatomische, physiologische, ethologische noch genetische Befunde plausible Indizien dafür liefern, dass der ausgesprochen komplex konstruierte Hals der Giraffe durch Zufallsmutationen und kontinuierliche Evolution oder – wie sogar einige Darwinisten glauben – durch eine Großmutation entstanden ist**).

Ich schließe mich in wesentlichen Teilen Lönnigs Argumentation an, mit der er die Untauglichkeit und Haltlosigkeit großspuriger darwinistischer Behauptungen entlarvt, die Entstehung des Giraffenhalses erklären zu können. Allerdings ist Lönnig ein schöpfungsgeschichtlich motivierter Evolutionskritiker, der aufgrund seiner weltanschaulichen Voreinstellung davon überzeugt ist, dass man den Ursprung einer so komplexen biologischen Struktur, wie den Giraffenhals, nicht mit einer naturalistischen, sondern nur mit einer Intelligent Design-Theorie erklären kann. Für den streng bibelgläubigen Genetiker Lönnig kann dieser Intelligent Designer natürlich nur der biblische Schöpfergott höchst selber sein.

Abweichend von Lönnig bin ich davon überzeugt, dass es durchaus Evolutionsmechanismen gibt, mit denen der Ursprung komplexer biologischer Strukturen erklärt werden kann. Ohne Frage ist auch meine Überzeugung nicht nur von wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auch von vorwissenschaftlichen Gewissheiten beeinflusst. Allerdings bin ich weltanschaulich nicht so zementiert wie darwingläubige Evolutionisten oder bibelgläubige Kreationisten. Das ist eine gute Ausgangsposition, um bei der Meinungsfindung weniger vorprogrammiert und mehr sachorientiert zu sein. Eine einigermaßen plausible Indizienlage vorausgesetzt, könnte ich mich in der Frage nach dem Ursprung und der Entwicklung des Lebendigen sowohl mit dem Gedanken anfreunden, dass das Leben selbst- als auch dass es fremdorganisiert sein könnte.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir eine Selbstorganisation des Lebens sympathischer als eine Fremdorganisation erscheint, würde aber – ohne gleich in einen weltanschaulichen Ausnahmezustand – auch eine Fremdorganisation akzeptieren, wenn sich denn die Indizien dafür häufen. Wie Lönnig bin ich davon überzeugt, dass der Giraffenhals, so wie fast jede biologische Struktur, ein äußerst komplexes Wunderwerk der Natur ist, das nicht durch Zufallmutationen und natürliche Selektion entstanden sein kann. Ich glaube aber gute Indizien dafür zu haben, dass es nicht von einem intelligenten Wesen nach einem Bauplan konstruiert worden ist, sondern dass es eine kuriose Struktur ist, die sich selbst organisiert hat.

Für mich ist der Giraffenhals – wie auch die Giraffe selber – Produkt eines evolutiven Mechanismusses, aus bereits vorhandenen bewährten genetischen Strukturen durch Auf- oder Nachrüstung mit neu zur Verfügung gestellten genetischen Material ein überlebensfähiges Lebewesen zu organisieren***). Auf diese Weise kann die Giraffe zugleich eine hochkomplexe geniale als auch eine komische verpfuschte Konstruktion sein, also eine Konstruktion, in der zwar vieles aufeinander eingespielt ist, aber vieles auch so willkürlich oder unsinnig wie die Grenzen eines beliebigen Landes sein kann. Und diese Doppelnatur der Giraffe ist nach meinem Dafürhalten das beste Indiz dafür, dass der Ursprung komplex organisierter Lebewesen besser mit evolutiver Flickschusterei oder Bastelei als mit Intelligent Design oder Planung zu erklären ist.

Warum ist die Giraffe eine so unzulängliche lächerliche Konstruktion? Um diese Frage zu beantworten, erlaube ich mir, eine längere Passage aus dem amüsanten Beitrag »Schlaflos in der Serengeti: Das anstrengende Leben der Giraffe« von Jörg Zittlau (2009) zu zitieren:

»Nichtsdestoweniger muss die Giraffe für die ungestörte Nahrungsaufnahme [in den Baumwipfeln] und ihren dementsprechend spezialisierten Körper einen hohen Preis bezahlen. So muss sie aufgrund der extrem langen staksigen Beine, die vorne zudem noch deutlich länger sind als hinten, fast ihr ganzes Leben im Stehen verbringen. Würde sie sich hinlegen, wäre sie Attacken von Raubtieren hilflos ausgeliefert; das Aufstehen würde viel zu lange dauern, um Angreifer durch Huftritte wirksam abwehren zu können. Weswegen es beispielsweise Löwen auch gezielt darauf anlegen, eine flüchtende Giraffe ins Straucheln zu bringen. Ihre Chancen stehen gut, denn im Rennen ist ihre potenzielle Beute keineswegs souverän. ›Galoppierende Giraffen gewähren einen Anblick, der unwillkürlich die Lachmuskeln reizt‹ erklärte Ende der 1960er Jahre der Zoologe Hans-Wilhelm Smolik in seinem Tierlexikon. ›Um beide Vorderläufe zugleich vom Boden heben zu können, müssen sie das Schwergewicht des massigen Vorderkörpers verlagern und den Hals weit zurückbiegen. Der Hals schwankt also wie der Mast eines in hoher See stampfenden Schiffes bei jedem Sprung vor und zurück.‹

Ein weiteres Problem der Giraffen, was die Flucht angeht: Sie können nicht traben, müssen also aus dem Stand oder gemütliche Spaziergang direkt in den Sprint hochschalten. Kfz-Mechaniker warnen Autofahrer in der Regel vor solchen Gangschaltungseskapaden, weil sie sehr viel Energie kosten und das Getriebe ruinieren. Bei der Giraffe trifft zumindest das Erste zu, die Zahl ihrer möglichen Sprints auf der Flucht ist also angesichts des hohen Energieverbrauchs begrenzt.

Der extreme Höhenwuchs bringt der Giraffe auch beim Trinken massive Probleme. Sie muss dabei ihre Beine kunstvoll auseinanderspreizen und den Hals behutsam nach vorne beugen. An eine schnelle Flucht ist in dieser Position nicht zu denken. Von Löwen und Krokodilen wird diese Situation daher gerne zur Attacke genutzt. Den Krokodilen gelingt es zwar meistens nicht, die Giraffe als ganzes ins Wasser zu ziehen, wie sie das sonst machen. Doch nicht wenige Langhälse behalten ihren Durst mit einer tödlichen Verletzung am Kopf, weil sich dort ein Krokodil verbissen hat. Glücklicherweise passiert es jedoch recht, selten dass Giraffen durstig sind. Sie sind in dieser Hinsicht ähnlich robust wie Kamele.

Über Appetitlosigkeit können sie hingegen nicht klagen. Ihr Höhenwuchs brachte nämlich der Giraffe einen enormen Zuwachs an Masse: Ein erwachsener Bulle wiegt bis zu neunhundert Kilogramm. Um satt zu werden, muss er etwa dreißig Kilogramm Blätter pro Tag fressen. das dauert sechzehn bis zwanzig Stunden. Die Giraffe muss die passenden Bäume in der Savanne erst einmal suchen und finden und bei dem Blattabschlürf-Trick handelt es sich um eine ausgefeilte, nicht aber um eine zeitsparende Methode der Nahrungsaufnahme. Wer sein Grünzeug umständlich vom Ast saugt, braucht eben etwas länger, um satt zu werden.

Was natürlich die Frage aufwirft, wo die Giraffen in ihrem Terminkalender noch andere wichtige Dinge unterbringen will, wie etwa das Schlafen. Die Antwort: Sie reduziert den Schlaf auf ein Minimum. Eine erwachsene Giraffe schläft zwischen zehn Minuten und zwei Stunden am Tag und das meistens auch noch im Stehen! Für eine körperliche und physische Regeneration reicht das kaum aus. Dabei könnte gerade das Giraffenherz eine Entlastung brauchen, weil es in jeder wachen Minute sechzig Liter Blut durch den massigen Körper bis weit hinauf ins Gehirn pumpen muss. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass die Tiere in freier Wildbahn kaum älter als fünfundzwanzig Jahre werden, was für einen Säuger dieser Größe ungewöhnlich kurz ist.

Vor dem Hintergrund dieser Lebensspanne, die zudem noch zu zwei Dritteln mit Nahrungsaufnahme ausgefüllt ist, ahnt man bereits, dass einer weiblichen Giraffe nicht viel Zeit bleibt, um Nachwuchs in die Welt zu setzen. Hinzu kommt, das sie erst mit vier Jahren geschlechtsreif wird, für das Austragen eines einzigen Babys bis zu fünfzehn Monate braucht und dann noch anderthalb Jahre für dessen Aufzucht investiert. Summa summarum kommt sie daher nicht auf mehr als vier bis fünf Kälber in ihrem Leben. Und deren Leben beginnt im freien Fall.

Denn die Giraffenmutter gebärt im Stehen, weil Liegen, wie erwähnt, zu gefährlich ist. Die Konsequenz dieser Stand-up-Geburt: Das Baby stürzt aus zwei Metern Höhe auf den trockenen und spärlich begrasten Steppenboden. Dies kann durchaus zu Verletzungen führen.


In jedem Fall liegt das Neugeborene danach erstmal hilflos auf dem Boden, und selbst wenn es nach ein paar Stunden auf wackligen Beinen steht, bleibt es ein interessantes Beutetier für Löwen, Hyänen, Wildhunde und andere Räuber. Auch Bakterien, Viren und Pilze haben zunächst ein leichtes Spiel, weil es etwa drei Monate dauert, bis sich das Immunsystem der jungen Giraffen aufgebaut hat.

Dementsprechend groß ist der Schwund unter den Junggiraffen: Gerade fünfundzwanzig Prozent von ihnen erreichen das Erwachsenenalter. Rechnet man noch die ohnehin geringe Nachwuchsproduktion hinein, ist dies zu knapp kalkuliert, um eine Tierart sich im evolutionären Geschäft zu halten.

Dem Langhalsmodell droht daher schon seit Jahrtausenden das Aus. Bis zur Eiszeit lebten vermutlich sechzehn giraffenartige Gattungen fast überall auf der Welt, heute sind es nur noch zwei an der Zahl: die eigentliche Giraffe aus den Steppen Afrikas und das Okapi aus dem tropischen Regenwäldern des Kongo.«

Mit anderen Worten ein Designer, der sich eine solch kuriose Konstruktion wie die Giraffe ausgedacht hätte, müsste schon einen ziemlich schrägen Sinn für Humor und gewagte Naturexperimente haben. Ist es da nicht viel wahrscheinlicher, dass die Langhalsgiraffe durch evolutive Flickschusterei, d. h. durch Nach- oder Aufrüstung einer Kurzhalsgiraffe wie dem Okapi entstanden ist? Und würde dies nicht auch erklären, warum die Giraffe gerade mal so eben funktioniert und keineswegs im Sinne der Darwinschen Evolutionstheorie eine optimale Anpassung an oder Antwort auf ihre Umwelt ist?

Zu gravierenden konstruktiven Nachbesserungen und Umgestaltungen von Lebewesen kommt es immer dann, wenn dem Genom substanziell neues genetisches Material zur Verfügung gestellt wird***). Zweifellos besitzen Genome eine Architektur, die es ihnen ermöglicht, alt bewährtes mit neu hinzugekommenem genetischem Material zu kombinieren, um daraus ein überlebensfähiges und evolutiv mehr oder weniger erfolgreiches Lebewesen entstehen zu lassen. Dieser Evolutionsmechanismus wird in Abgrenzung zu der selektiven Aufspaltung von Lebewesen auch vernetzte oder retikulate Evolution genannt.

Die Idee der vernetzten Evolution gewinnt in jüngster Zeit gegenüber der darwinistischen Vorstellung von der durch Zufall und Konkurrenz gesteuerten Evolution immer mehr an Einfluss (vgl. z. B. Margulis & Sagan 2003, Weber 2007 oder Bauer 2008). Meines Erachtens ist sie derzeit die einzige belastbare Theorie, die den Ursprung neuer, völlig andersartiger Lebewesen oder großer Entwicklungsschübe in der Entstehung der Vielfalt des Lebendigen erklärt. Sie hat den großen Vorteil die Evolutionsbiologie mit der Paläontologie zu versöhnen, denn nach dieser Theorie hat es die unendlich vielen Missing Links, nach denen seit Darwin so verzweifelt gesucht wird, nie gegeben.

Anmerkungen

*) Übersetzung: Die Hypothese von Lamarck besagt, dass fortschreitende Veränderungen von Spezies dadurch verursacht wurden, dass die Tiere versuchen, ihre eigenen Organe in eine bestimmte Richtung zu entwickeln, um so ihre Struktur und ihren Gebrauch zu optimieren….Die Giraffe erwarb ihren langen Hals nicht dadurch, dass sie die Blätter der hochaufragenderen Büsche begehrte und beständig ihren Hals zu diesem Zweck streckte, sondern da sich jegliche Varietäten, die mit einem längeren Hals als gewöhnlich unter ihren Antitypen auftraten, sogleich das unverbrauchte Weidegebiet oberhalb des gleichen Geländes wie ihre kurzhalsigen Begleiter sicherten, was ihnen bei der ersten Futterknappheit ermöglichte, diese zu überleben.

**) Ausgerechnet der Ultradarwinist und Gradualist Richard Dawkins macht sich in seinem Buch mit dem (unfreiwillig) bezeichnenden Titel »Gipfel des Unwahrscheinlichen – Wunder der Evolution« Gedanken darüber, ob der lange Hals statt durch kontinuierliche Evolution durch eine Makromutation entstanden sein könnte. Er glaubt dies zwar nicht,  hält es aber prinzipiell für möglich – eben so, wie man aus einem normalen Flugzeug durch eine relativ simple Verlängerung des Rumpfes einen Riesenflieger machen kann. Dawkins übersieht, dass der lange Hals der Giraffen mit kompliziertesten Veränderungen der Funktionen des Blutzirkulations-, Organ-, Skelett-, Muskel- und Nervensystems (und zwar im gesamten Körper) verbunden ist. Und so schwadroniert er, dass man »während der Entwicklung des Embryos nur einmal etwas ändern muß, damit der Hals viermal so lang wird«. Lönnig (2006) zeigt auf überzeugende (aber wie so oft auch auf etwas umständlich-unübersichtliche) Weise, dass dies reines Wunschdenken ist.

Und Lönnig zeigt noch etwas anderes: Dawkins stellt in einer Abbildung die Giraffe und das Okapi so da, als wenn der Schritt von einer Kurz- zu einer Langhalsgiraffe nur von geringfügiger Natur wäre. Dies gelingt ihm aber nur in dem das Okapi im Verhältnis zur ebenfalls abgebildeten Giraffe doppelt so groß darstellt, als es in Wirklichkeit ist. Die getürkte Abbildung zeigt, wie manipulativ orthodoxe Evolutionisten vorgehen können, um ihr Publikum für ihren Glauben zu vereinnahmen. Sie benutzen genau die wirklichkeitsverdrehenden Methoden, die sie immer den Kreationisten vorwerfen. Die Naivität, mit der Dawkins die mögliche Realität der Idee einer Großmutation (also eines einzigen Mutationsereignisses) verteidigt, zeigt, dass er bereit ist, sich einem Wunderglauben hinzugeben, um die Universalität des Darwinismus zu retten – ein Wunderglaube, der im Unterschied zu den Kreationisten allerdings nicht biblisch, sondern materialistisch begründet ist.

***) Dass Genom kann substanziell neues genetisches Material durch verschiedene Mechanismen erwerben z. B. Horizontalen Genverkehr, Gen- oder Chromosomen-, Genomverdopplung, karyotypische Chromosomenteilung, Endosymbiose, oder artübergreifende Kreuzungen; vgl. Margulis & Sagan (2003).

Quellen

Bauer, Joachim (2008): Das kooperative Gen – Abschied vom Darwinismus. – Hamburg

Dawkins, Richard (2001): Gipfel des Unwahrscheinlichen – Wunder der Evolution. – Reinbeck bei Hamburg

Holdrege, Craig (2003): The Giraffe’s Short Neck. – In: Context 10, 14-19

Lamarck, Jean Baptiste (1809): Philosophie Zoologique, ou Exposition des considérations relative à l’histoire naturelle des animaux,… – Paris

Lönnig, Wolf-Ekkehard (2006, last update 2010): Die Evolution der Langhalsgiraffe (Giraffa camelopardis L.) – Was wissen wir tatsächlich? Teil 1 + Teil 2

Margulis, Lynn & Sagan, Dorian (2003): Acquiring Genomes. A Theory of the Origins of Species. – New York

Wallace, Alfred Russel (1858): On the Tendency of Varieties to Depart Indefinitely from The Original Type – Ternate-Manuskript

Weber, Andreas (2007): Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften. – Berlin

Zittlau, Jörg (2009): Warum Affen für die Liebe zahlen – Noch mehr Pleiten und Pannen im Bauplan der Natur. – Berlin

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21 Antworten auf Warum der lange Hals der Giraffen eigentlich zu kurz und kein brauchbares Beispiel für die Erklärungskraft der Darwinschen Evolutionstheorie ist

  1. islandguy sagt:

    Hervorragender Artikel!

  2. Danke für das Kompliment, das bis jetzt mein schönstes Weihnachtsgeschenk ist! Wenn das mal keine Herausforderung für die Lieben daheim ist!!

  3. webbaer sagt:

    Die Idee, dass die Länge des Giraffenhalses über Dürrezeiten bestimmt und so herbeiselektiert worden ist, scheint mir auch “etwas” naiv. Es sind hier vermutlich sehr komplexe Selektionsmechanismen im Spiel, die sprachlich kaum oder gar nicht zu beschreiben sind.

    Ich habe vor einiger Zeit einen ähnlichen Artikel über den Brontosaurus (populärwissenschaftlich, “Standardmedium”, der Artikel lässt sich vermutlich recherchieren) gelesen. Der Autor hat sich ebenfalls über die Länge des Halses gewundert und meinte herausgefunden zu haben, dass die Länge gar nicht erforderlich war für die Nahrungsaufnahme. Demzufolge erhoben die Brontosauri ihren Hals auch nur sehr wenig, was für den Energieverbrauch und das Körpersystem schonend war.

    Schöne Weihnachtstage!
    Wb

  4. Sebbi sagt:

    Ich sage nur “Statussymbole”. Wer weiß schon worauf Giraffenweibchen so stehen? Vielleicht auf lange Hälse? Andere Spezies überzeugen ja auch durch herausstechende Körpermerkmale (Vogeltiere) ;)

    Und noch ein ganz wichtiger Punkt: zu jedem Zeitpunkt muss es Spezies gegeben haben, die eben nicht optimal waren, denn sonst wären sie heute noch zu sehen. Wie du schon schreibst überlebt die Giraffe als Spezies gerade so … Glück gehabt. Der T-Rex mit seinen Armstummeln ist ja wohl auch ein Witz … ergo, warum sollte die Giraffe nicht auch so einem Zweig angehören, der nicht auf alles vorbereitet ist?

    • webbaer sagt:

      zu jedem Zeitpunkt muss es Spezies gegeben haben, die eben nicht optimal waren

      Zum einen das, so kann man die Stringenz der “Ultradarwinisten” herausnehmen und zum anderen ändert sich ja auch fortlaufend, was gerade evolutionär angefordert ist.
      D.h. eine gewisse Flexibilität ist immer sehr hilfreich, was die Evolution betrifft.

      Oder müsste hilfreich sein, wäre jedenfalls logisch, andererseits gibt es völliog unflexibel erscheinende Lebewesen, die zäh und lange schon vorhanden sind.

      Man kommt also mit primitivem menschlichen logischen Denken bei diesem Thema -dezent formuliert- nicht so supergut klar.

      Wb

  5. MartinB sagt:

    Ich empfehle die Lektüre dieses Artikels zum Thema:
    http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2007/02/dammit_and_i_sooo_loved_the_ne.php
    Dort gibt es auch reichlich oben nicht zitierte Quellen.

    Fazit in einem Satz:
    “This study strongly suggests that the long neck is significantly advantageous in terms of feeding ecology, and that its evolution is therefore plausibly well explained by resource competition with other browsers.”

    • Wenn Sie sich einmal die Muehe machen wuerden, die ausfuehrlichen Beitraege von W.-E. Loennig zur Giraffenhalsevolution zu lesen, wuerden sie merken, dass weder auf Zufallsmutationen beruhende Ressourcen-Konkurrenzphaenomene noch die sexuelle Evolution geeignet sind, die aeusserst komplexe Struktur des langen Halses der Giraffe zu erklaeren.

    • Jörg Friedrich sagt:

      MartinB, leider habe ich die Freischaltung Ihres Kommentars Anfang Januar verpasst aber ich hoffe, Sie werden über meine Antwort benachrichtigt. Ich denke, die von Ihnen zitierten Arbeiten setzen ja die These, dass es ein Selektionsvorteil sein muss, der zu solchen Ausprägungen wie dem langen Hals der Giraffen führt, bereits voraus. Sie fragen nicht “Ist es überhaupt entscheidend, dass der Hals ein Selektionsvorteil ist?” sondern sie sind sich sicher dass es ein Selektionsvorteil sein muss, und fragen nur noch, welcher es denn ist.

      Erst wenn man bereit ist, die These, dass es immer ein Selektionsvorteil sein muss, der zur langfristigen Stabilität so einer Ausprägung führt, infrage zu stellen, kommt man bei den Überlegungen an, die hier vorgestellt werden.

  6. Jörg Friedrich sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, sehr interessant.

    Eine kleine Ergänzung: Ich las letztens (weiß leider nicht mehr wo) dass Darwin selbst bis an sein Lebensende an die Vererbbarkeit erworbener Merkmale geglaubt hat. So beschrieb er z.B. die Vererbung einer Verletzung eines Vaters auf seine Tochter (der Daumen war beim Vater durch eine Verletzung gespalten, und diese Spaltung trat auch bei der Tochter auf. heute vermutet man, dass es sich um eine genetische Disposition gehandelt hat, die unter bestimmten Bedingungen manifest wurde.) Der Darwin der Darwinisten hat mit dem historischen Darwin sicher ungefähr so viel gemein wie der Kolumbus aus der letzten Hollywood-Verfilmung mit dem historischen Kolumbus ;-)

  7. MartinB sagt:

    Nanu?
    Ich hatte hier vorhin einen Kommentar gepostet, wo ist denn der?
    Hab ich nen falschen Knopf gedrückt oder hängt der wegen des eingebauten links im Spamfilter?

  8. andre sagt:

    Schöner Artikel – auch vom mir ein Lob. Bei dem “materialistischen Wunderglauben” mußte ich schmunzeln, das ist das Phänomen des religiösen Eifers der Evolutionsanbeter sehr gut getroffen. Da schlägt Wissenschaft in ihr Gegenteil um. Falls Darwin aus irgend einem Jenseits seinen Anhängern zuschaut bekommt er bestimmt des ofteren Bauchweh oder gar Wutanfälle.
    Ich für meinen Teil freue mich daran, daß die Wirklichkeit so offensichtlich größer, komplexer, reicher und auch “klüger” ist als all die Bilder, die wir uns von ihr machen.

    • webbaer sagt:

      Schöner Artikel – auch vom mir ein Lob.

      Er hebt sich von den eigenen Artikeln, der Wb spricht hier selbstverständlich nur für sich, jedenfalls positiv ab. – Aber schon andere Artikel des geschätzten Kollegen waren sehr bemerkenswert.

      Weihnachtsgrüße!
      Dr. Wb

  9. andre sagt:

    “Die Idee der vernetzten Evolution…”

    Kannst du dazu ausführlicher schreiben? Ist dies schon eine Theorie oder doch mehr einen Idee? Ich hab lediglich etwas über die Entwicklung von Korallen gefunden, an denen diese Idee wohl entwickelt wurde. Es wäre schön, da zum aktuellen Stand etwas lesen zu können.

  10. Zunächst bedanke ich mich für das rege Interesse sn meinem neuen Blogbeitrag. Ich urlaube derzeit auf La Gomera, was meine Zurückhaltung in der Diskussion zwanglos erklärt.

    Für den motivierenden Einstieg in das Thema “vernetzte Evolution” empfehle ich das Buch “Alles fühlt” von Andreas Weber.

    Adios

    Georg M.

  11. Die Sache mit der Evolution ist für mich sehr spannend und interessiert mich schon seit langen, Und obwohl ich mich nur Laienhaft mit dem Thema befasse, habe ich ein Gefühl, dass die gängigen Theorien nicht wirklich es erklären können Grundsätzlich bin ich überzeugt dass ein evolutionäre Prozess stattfindet, ich habe aber Problem mit dem Mechanismus.
    Vielleicht verstehe ich einfach zu wenig von der Materie.
    Mein Hauptproblem sind die sich ständig in der Geschichte der Erde wiederholende Phasen von Aussterben und Entstehen von neuen Arten. Bis jetzt gibt es viele Vermutungen so richtig überzeugend sind sie nicht.

    Ich habe es auf Scienceblogs schon etwas geschrieben über die Veränderungen bei Größe der Tiere

    http://www.scienceblogs.de/geograffitico/2010/02/besser-essen-in-hohen-breiten.php

    Ich glaube dass diese Mechanismus auch sich stärker zeigen kann wenn die Änderungen des GH entsprechend stark sind. Was passiert aber wenn sie sehr stark sind. Kann dann nicht so etwas passieren dass die Arten nicht den Veränderungen der Umwelt sich anpassen, sondern umgekehrt die Innere Veränderungen bei auslesen des genetischen Materials (also nicht Gene) könnten dazu führen dass die Tiere sich verändern ohne den Ziel sich dem Umwelt anzupassen: Sie verändern sich so zu sagen völlig Chaotisch und müssen entsprechen auch ihre ökologische Nische ändern Die passen sich dem Umwelt so gut wie möglich an, aber nicht immer ist diese Anpassung perfekt. So kann z.B. Hals der Giraffe plötzlich (also innerhalb von ein Paar Generationen) beginnen zu wachsen ohne dass die Arme irgendetwas in diese Richtung getan hat.

    Die Evolution im darwinistischen Sinne ist also nicht der Motor für Veränderungen und auch nicht die Mutation der Gene sondern dass Auslesen der Gene schafft ein ständigen Fluss der Veränderungen.

    Ok. Es ist schon kompliziert. Versuche ich vielleicht später noch mal.

  12. MartinB sagt:

    Zur Evolution des Giraffenhalses gibt es zwei gängige Theorien: Einmal die Selektion über Nahrung (wie oben beschrieben), dann die sexuelle Selektion (“necks for sex”). Lange Zeit wurde “necks for sex” als plausibler angesehen, aber neuere Untersuchungen zeigen, dass lange Hälse einen deutlichen Selektionsvorteil bei der Nahrungskonkurrenz bieten. Nachzulesen hier:
    http://scienceblogs.com/tetrapodzoology/2007/02/dammit_and_i_sooo_loved_the_ne.php
    Dort wird die Schlussfolgerung so zusammengefasst:
    “This study strongly suggests that the long neck is significantly advantageous in terms of feeding ecology, and that its evolution is therefore plausibly well explained by resource competition with other browsers.”

  13. Islandguy sagt:

    Das Rätsel der Evolution, soweit es die Giraffe betrifft, ist gelöst!

    Eines Tages hatte Chuck Norris Durst und ging zu einer Wasserstelle an der betreits ein Okapi trank. Als das Okapi es versäumte Chuck Norris ordentlich zu grüßen, verpaßte er dem Okapi einen rechten Haken – seit dem gibt es Giraffen…

    ;)

  14. Auf der Wikiseite sind die Angaben zu Körpergröße der Menschen zu sehen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rpergr%C3%B6%C3%9Fe

    die Unterschiede sind gering aber trotzdem klar zu sehen.
    Zwischen 5000–2000 v. Chr. war die Körpergröße am geringsten dann stieg sie 500–700 n. Chr. stark um am Ende des Mittelalters wieder zurückzugehen.

    Man würde dazu neigen diese Unterschiede auf die Ernährung der Menschen zurückzuführen, aber es kann nicht stimmen weil die Lebensumstände der Menschen in Europa eigentlich umgekehrte Folge vorweisen. Die Zeiten zwischen 5000–2000 v. Chr. sind die Zeiten des Überfluss. Die Bevölkerungsdichte erreiche größere Werte als Heute. Die Zeiten 500–700 n. Chr. sind aber von Hunger und Armut geprägt. Die Lebensumstände der Menschen waren katastrophal, trotzdem stieg die Körpergröße der Europäer um erst im Mittelalter die alte Größe wieder zu erreichen als die Lebensumstände wieder sich normalisierten.
    Natürlich kann man andere Ursachen finden die es begründen würden, es bleibt aber der Eindruck, dass sie nur die Ausreden sind.
    Die Körpergröße der Tiere wird von einem Anderen Prozess gesteuert und zwar von solchen der die Faltung der Proteine steuert.
    So wie ich oben es beschrieben habe.

  15. Jetzt schauen wir uns den nächsten Beispiel und zwar sehr prominentes:

    http://www.bio-pro.de/magazin/thema/00145/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/04099/index.html

    Auf diesem Beispiel, einem von der Wichtigsten für die Evolutionstheorie möchte ich vorschlagen, dass außer bekannten Mechanismen noch ein bis jetzt unerkanntes existiert.

    Die Beobachtung ist, der Schnabel der Finken ändert sich zeitlich. Es wurde eine Korrelation mit dem Futterangebot festgestellt. Die Schlussfolgerung: Aussterben von nicht angepassten Individuen.

    Ich bezweifle diese Schlussfolgerung weil die Zeiträume zu kurz sind um Überhaupt zu irgendwelcher Selektion zu führen.

    Die Korrelation ist aber unbestritten, wie kann sie also Zustande kommen?

    Mein Vorschlag:

    die Chaperone die bei der Proteinfaltung eine Rolle spielen sind besonders sensibel für die Änderungen des Gravitativen Hintergrunds. So werden in Zeiten der Hohen Werte die Proteinen enger gefaltet als in den Zeiten der geringen Werte. Diese Sensibilität wurde genetisch selektiert und nicht direkt die Schnabelgröße, weil die Umweltbedingungen mit dem Wert der Änderungen der „Gravitationskonstante“ korrelieren.

    So hat die Evolution ein Weg gefunden effektiv bei allen Individuen gleichzeitig die Ausprägung der Körpermerkmale zu verändern.

    In dem Beispiel aus dem Artikel ist die rede von Unterschieden zwischen 1973 und 1983. Bei Blick in die Lage der Planeten im Sonnensystem finden wir die Bestätigung meiner These. 1973 waren die Planeten Saturn und Jupiter noch von einander Weit entfernt also auch die Werte der GH lagen im unterem Bereich.
    1982 und 1983 lagen die beiden größten Planeten beieinander was die „Gravitationskonstante“ vergrößerte.
    Entsprechend wurden die Proteine 1973 schwächer gefaltet und die Schnabel größer. 1983 war es genau umgekehrt.

    Gerät dieses System aus der Fugen weil sich langfristige Veränderungen des Gravitativen Hintergrunds ergeben, kommt es zu extremen Veränderungen der Körpermerkmale ohne das sich Gene großartig verändern müssen.

    Wenn die Arten Pech haben und keine geeignete ökologische Nische da ist, dann Sterben die Arten aus.

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