Die Liebe in den Zeiten der Euro-Krise

Diese grotesk anmutende Aufnahme zeigt ein Pärchen, das während einer gewalttätigen Kundgebung gegen die Sparpläne der griechischen Regierung einen vorübergehend befriedeten Korridor zwischen den Reihen der Polizei und der Demonstranten nutzt, um sich intensiv zu küssen.

Auf den ersten Blick provokant, auf den zweiten Blick eher bekannt, denn es ist ein altes Roman- und Filmsujet, dass sich zwischen den Fronten, seien sie auch noch so verhärtet, doch immer wieder Nischen auftun, in denen es sich leidenschaftlich Lieben lässt.

Nicht auszuschließen, dass diese sinnenfreudige Daseinsbejahung inmitten von Chaos und Gewalt sogar mäßigend und humanisierend auf die jeweiligen Kontrahenten gewirkt hat, also hier die Demonstranten als Vertreter des Volkes auf der einen und die Polizei als Vertreter der Staatsmacht auf der anderen Seite.

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7 Antworten auf Die Liebe in den Zeiten der Euro-Krise

  1. andre sagt:

    Schlecht recherchiert Georg, Vancouver liegt noch immer nicht in Grichenland. Die Geschichte zu dem Bild findet sich hier . Auszug:

    für den Liebesbeweis inmitten der Krawalle einen weniger romantischen Grund: Während sich das Paar auf der Flucht vor der Polizei befand, fiel die Frau hin. Ihr Freund beruhigte sie daraufhin mit einem Kuss: „Sie fingen an, mit ihren Schutzschildern auf uns einzuschlagen, damit wir uns fortbewegen“, sagte Scott Jones dem US-Nachrichtensender „CBS News“. Und das, obwohl der 29-Jährige und seine Freundin Alex Thomas gar kein aggressives Verhalten an den Tag gelegt hätten. „Dann lagen wir auf dem Boden. Sie war danach offensichtlich etwas hysterisch, und ich habe versucht, sie zu beruhigen“, erzählte der gebürtige Australier weiter.

    • andre, das ist schon richtig. Aber es ist und bleibt beachtlich dass der junge Mann dort und in diesem Moment seine Freundin so zärtlich beruhigt hat statt sie hoch- und wegzureißen.

  2. Danke für die substanziellen Korrekturen. Mein Kurzinfo zu dem Bild stammt aus der Welt-, der FAZ- oder dem Spiegel-Online. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Kommentar zu dem Bild damals ‘Küssendes Liebespaar bei griechischer Demo’ hieß. Leider habe ich nur das Bild gesichert.

    Ist jetzt, wenn Deine Recherchen zutreffen, wovon ich ausgehe, für mich etwas dumm gelaufen, aber auch nicht völlig neben der Spur. Mich interessieren Bilder und die Geschichten, die ich dazu schreibe, sollten schön und womöglich geistreich, aber nicht unbedingt wahr sein, wovon ich in diesem Fall allerdings ausgegangen bin.

    Das Bild finde ich jetzt noch facettenreicher und leider kann ich mir jetzt nur schwer vorstellen, wie ich es kommentiert hätte, wenn ich die wahrheitsnäheren Fakten gekannt hätte.

  3. Nachtrag:

    Wegen des spezifischen Aufbaus der Originalbildadresse bin ich mir zwischenzeitlich sicher, dass das Bild aus der FAZ stammt und dort vor einigen Monaten in der Rubrik ‘Bilder des Tages’ gestanden hat.

    Wegen des FAZ-Kommentars, der die Szene nach Griechenland verlegt, bin ich mir genauso sicher. Leider ist das jetzt nicht oder nur schwer zu recherchieren, weil diese Rubrik nur ein kurzes, einige Wochen beinhaltendes Gedâchtnis hat. Darüber habe ich mich als ‘Bilderfan’ schon oft gewundert oder auch geärgert, wo es doch immer heißt, das Internet vergisst nichts!

  4. andre sagt:

    @georg: Es ist mir schon häufiger aufgefallen, das deutsche Medien ein recht “freies” Verhältniss zur Wahrhaftigkeit haben, wenn es darum geht, eine Aussage ins passende Bild zu rücken, da würde mich nicht wundern wenn die FAZ das kurz nach Griechenland verlegt hat. In der englishsprachigen Presse hat das Bild eine ziemlich große Welle (google bringt bei “Vancouver Riot Kiss” über 1Mill Einträge) gemacht, da gibt es keine Zweifel, daß das Original aus Kanada stammt.
    @jörg: der junge Mann hat sicher sein Bestes getan in der Situation, soweit so gewöhnlich. Interessant ist aber doch, daß das Bild solch eine Welle von Symphatie ausgelöst hat. Wohlgemerkt das Bild, nicht das Paar, dem es zu etwas fame verholfen hat, das sich in Georgs Sinn deuten läßt als Liebe in Zeiten des Chaos.

  5. @ andre

    Mich würde es schon wundern, wenn Zeitungen “DIE WELT” oder die “FAZ” ein Bild des Tages mit einer geographisch wie thematisch ziemlich deplazierten Unterschrift versehen. Deshalb habe ich bisher auch keinen Anlass gesehen, bei solchen Bildunterschriften tiefere Recherchen vorzunehmen. Das muss ich, da ich mir bezüglich der falschen Bildunterschrift ziemlich sicher bin, jetzt wohl überdenken.

    Davon unabhängig scheinen mir die Ein- oderAuslassungen von Scott Jones auch etwas dubios, wenn er erklärt:

    “Dann lagen wir auf dem Boden. Sie war danach offensichtlich etwas hysterisch, und ich habe versucht, sie zu beruhigen.”

    Nun kann man den Leuten nur vor den Kopp gucken, aber so entspannt und entrückt, wie die beiden da auf der Straße liegen und sich innig umarmend küssen, kann ich mich des Eindrucks nicht erwären, als wenn die Hysterie und die Beruhigung da ganz schnell in erotische Leidenschaft umgeschlagen sind und Scott Jones diese öffentlich gewordene Intimität, in seiner nachträglichen Schilderung der Situation, etwas bagatellisieren möchte.

    Ich habe jetzt aber kein Lust, die über 1 Millionen Google-Einträge zu durchforsten, um dem auf den Grund zu gehen. Schlussendlich kommt dabei womöglich noch heraus, das mir die Phantasie durchgegangen ist…!

  6. andre sagt:

    @georg: Die Geschichte besagt, daß die beiden in eine Auseinandersetzung der Polizei mit randalierenden Hockeyfans geraten sind und von der Polizei in der heute leider üblichen rüden Art zu Boden geschickt wurden. Da bekam sie wohl eine Panikattacke (und ich kann dir aus persönlicher Erfahrung sagen daß das vielen ähnlich gehen würde, in einer solchen Begegnung) und er versuchte sie zu beruhigen. Letztlich erfolgreich. Das Bild mag der Moment sein der das Ganze beschließt: Panik vorbei, kurz bevor die Umwelt wieder ins Bewußtsein rückt; aber romantisch war da wohl nichts für die beiden. Das Bild zeigt ja nur eine Hundertstelsekunde am glücklichen Ende eines Geschehens, das Minuten gedauert haben wird.
    Mit der Phantasie kannst du dich trösten: die ist in der gleichen Art wohl der ganzen kanadischen Presse durchgegangen.

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